"Alles wird gut..." – Reanimation der deutschen Internetwirtschaft

Wie Pilze schießen gegenwärtig neue und wiederbelebte Firmen-Websites aus dem Boden. Das Wiener Innovationszentrum für Web-Technologie hat dazu mit Herrn Ing. Patrick Belowski, dem Geschäftsführer des Ingenieurbüros für Webentwicklung, über die aktuelle Marktlage, die zukünftigen Trends und die vergangene Krise gesprochen.

IWZ: Servus, Herr Ing. Belowski. Die Kombination Ingenieurbüro und Webentwicklung ist eher ungewöhnlich. Ist das nicht ein Widerspruch? Auf der einen Seite präzise Technik und auf der anderen Seite kreative Designarbeit?

PB: Keineswegs. Für mich ist diese Kombination absolut logisch. Wir haben aus den Fehlern der Internet-Boomzeit unsere Lehren gezogen. Gegenwärtig können erfolgreiche Webauftritte nur mit funktionalen Konzepten und präziser Technik realisiert werden. Aufgrund meiner Wurzeln in den Ingenieurwissenschaften weiß ich, was praxisorientiertes Arbeiten ausmacht und was es bedeutet, brandaktuelle Technologien einzusetzen, um quasi aus dem Nichts zielgerichtet ein neues Projekt zu entwickeln. Diese Prinzipien haben wir einfach auf die Webentwicklung übertragen.

IWZ: Das klingt alles doch sehr technisch. Ist Webdesign nicht mehr wichtig?

PB: Es hat zumindestens nicht mehr das Gewicht wie früher einmal. Tatsächlich verstehen wir uns nicht als klassische Medien-Agentur, sondern als Technik-Partner für Agenturen und Marketingabteilungen. Wir sehen uns als Bindeglied zwischen Technik und Inhalten, zwischen Kunden- und Agenturseite, zwischen der emotionalen und rationalen Ebene. Nun werden viele Leute denken, dass wir uns damit einem ziemlich hohen Druck aussetzen. Und ich muss Ihnen sagen, sie haben recht.

IWZ: Sie doch schon ein "alter Hase" im Webbusiness. Was waren Ihre prägnantesten Erfahrungen in den letzten Jahren?

PB: Meine ersten Erfahrungen sammelte ich in der Inhouse-Agentur der Spinnrad GmbH. Wir genossen fast drei Jahre lang den Luxus, kontinuierlich an den Webprojekten arbeiten zu können. Unser größtes Projekt war in dieser Zeit der Spinnrad-Shop, der bis 2002 zu den Top-10-Shops Deutschlands zählte. Wichtiger aber scheint mir, dass sich in dieser Zeit ein Team formierte und somit jeder eine "Web"-Rolle entwickeln konnte. Hier lernte jeder Projekt-Teilnehmer, Kompromisse einzugehen und zwischen Varianten zu vermitteln. Die dort gelernten Regeln wenden wir noch heute erfolgreich an.

IWZ: Also Friede, Freude, Eierkuchen. Haben nur die anderen schlimme Fehler gemacht und die Web-Entwicklung falsch eingeschätzt?

PB: Nein. Nein. Natürlich hatten auch wir Probleme. Das Größte war die Komplexität. Dazu müssen Sie wissen, dass man es mit einem buntgemischten Team auf Kunden- und Dienstleister-Seite zu tun hat. Jeder will mitreden und hat seine Meinung zu den "paar Internetseiten". Unsere Erfahrung zeigt, dass es keinen Sinn macht, ein Projekt bis zum Schluss durchzuplanen. Dies frisst Kosten und Ressourcen auf beiden Seiten. Auftragnehmer und -geber sind schnell frustriert. Komplexität ist immer ein Projektkiller. Deshalb setzen wir aktuell auf ein Stufenkonzept, starten direkt nach Auftragsvergabe mit einem Prototypen und bauen dann Stufe für Stufe aus. Letztendlich ist unsere Aufgabe die Reduktion der Komplexität.

IWZ: Beobachter des Webgeschäftes bewerten die Zukunft mal positiv, mal negativ. Eine einheitliche Tendenz ist nicht zu erkennen. Wie lautet abschließend Ihre Einschätzung?

PB: Gerade in den letzten Monaten ist eine verstärke Investition in den Online-Bereich zu erkennen. Viele für immer verschollen geglaubte Webpräsenzen tauchen plötzlich wieder auf und zeigen sich konsequenter und zielorientierter als je zuvor. Interessanterweise ist dies ebenfalls bei Online-Shops zu erkennen. Wir selbst arbeiten gerade an einem Relaunch des Spinnrad-Shops und behalten dabei vor allen Dingen die Effizienz im Auge. Ich möchte nicht allzu weit in die Zukunft schauen, denn zunächst ist viel nachzuholen, d.h. wir setzen unsere ganzen Anstrengungen in die Weiterentwicklung unserer Vorgehensmodelle (Stichwort: Agile Entwicklung) und der Implementierung technisch anspruchsvoller Informationssysteme. Der gesamte Dienstleistungssektor wird sich grundsätzlich und strukturell ändern. Unsere gewählte Form des Agenturnetzwerks ist zukunftsträchtig und bietet dem Kunden mehr Sicherheit als jede andere Art.

IWZ: Herr Ing. Belowski, vielen Dank für das Gespräch.